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Langfassung Leserbrief zum Artikel „Stadt will Namensrechte für einen neuen Slogan kaufen“

Zeitungsleser

In der heutigen Ausgabe der Dorstener Zeitung erschien ein Leserbrief von Alfred Sartory zum Artikel „Stadt will Namensrechte für einen neuen Slogan kaufen“ vom 25.05.2021, der aus redaktionellen Gründen nur gekürzt wiedergegeben werden konnte.

Hier nun die ausführliche Langfassung vom 28.05.2021

Mit großem Interesse und Erstaunen habe ich den Artikel von 25.05.2021 in der DZ über den neuen Stadt Slogan gelesen. Des Weiteren den Kommentar von Stefan Diebäcker zu dem Thema „Stadt-Slogan“. Ich kann die genannten Bedenken vollkommen verstehen und möchte diese aus meiner Sicht konkretisieren.

Bereits im Herbst 2020 hatte ich das Gefühl, unverhofft auf einer Verkaufsveranstaltung gelandet zu sein, obwohl ich lediglich der Einladung der Wirtschaftsförderung gefolgt war, um mich zu Fördermöglichkeiten für den stationären Einzelhandel zu informieren. Doch anstelle gut und ausführlich über die bestehenden Fördermöglichkeiten informiert zu werden, wurde vom Vertreter der Wirtschaftsförderung im Eiltempo nur die grundlegendsten Informationen vorgetragen, um damit die Bühne für die Vorstellung des Projekts „EchtDorsten“ zu bereiten. Was dann folgte war weniger eine Projektvorstellung als vielmehr ein Verkaufsveranstaltung mit zahlreichen Versprechungen wie auf einer Kaffeefahrt. So würden bereits bis Weihnachten Produkte verkauft und mit DHL geliefert werden. Danach würde man dann den eigenen Lieferdienst aufbauen.

Mich wunderte insbesondere, mit welcher Vehemenz die Anwesenden der Wirtschaftsförderung als auch die abgesandten Vertreterinnen des von mir gegründeten Vereins von Sag Ja zu Dorsten e.V. versuchten, die neu angesiedelte Firma netTrek zu preisen, die bisher mit Unterstützung von Sag Ja zu Dorsten an der Konzeption von „EchtDorsten“ gearbeitet hatte.

Denn der Verein Sag Ja zu Dorsten wurde gegründet, um Dorsten noch attraktiver zu machen, sowie auch Erfolge der aktiven Mitglieder untereinander zu sichern. Zwischen den Verantwortlichen der Stadt und des Vereins zur Gründerzeit ist festgelegt worden, dass ein offener und ehrlicher Umgang miteinander als Grundlage dafür gelebt werden soll, um sowohl gemeinsam die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen zu fördern als auch für den Bürger den Wohn- und Lebenswert zu steigern.

Wurden vor dieser Veranstaltung andere in diesem Bereich aktive Unternehmen und Akteure aus der Region oder weitere Mitglieder befragt und eingebunden? Nein. Daher war es auch wenig verwunderlich, dass bereits im Rahmen der Veranstaltung von mehreren Anwesenden lautstark Unmut über dieses Vorgehen geäußert wurde. Und dieses zu Recht!

Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen die unternehmerischen Aktivitäten der Firma netTrek bzw. der neu gegründeten echtDorsten GmbH. Ich kann als engagierter Bürger und mit meinen Netzwerken als langjähriger Förderer von Unternehmen der Region aber nicht befürworten, dass unter dem Deckmantel der Förderung der regionalen Wirtschaft defacto nur ein einziges Unternehmen aktiv gefördert wird, insbesondere in dem Ausmaß, wie dies gerade mit dem Kauf der Namensrechte diskutiert wird!

Das ein noch am gleichen Abend dem Bürgermeister angetragener Gesprächswunsch zum gerade gehörten Thema mit Bürgermeister und Wirtschaftsförderer bis heute nicht zu Stande gekommen ist, kann mit dem heute zu lesendem Beschluss, dass sich die Stadt nun um die Rechte für den Slogen bemüht, zu tun haben. Ich verstehe nicht, wie ein der Stadt und der Region verbundener Verein Entwicklungen aktiv vorantreibt, bei denen am Ende die Stadt zur Nutzung der Ergebnis Rechte für einen Slogan kaufen soll, der im Rahmen des Projektes vom Verein selbst entworfen wurde.

Ich verstehe sehr wohl in diesem Zusammenhang, den am 27. Mai veröffentlichten Leserbrief von Frau Rita Zachraj, das bei ihr als engagierte Bürgerin Dorstens Enttäuschung und Frust entsteht. Und da ist sie nicht alleine. Hier sind es Unternehmer und Bürger, die mich im Wissen um mein Engagement für Dorsten und die Region bitten, dieses Thema öffentlich zu machen.

Ich spreche daher offen aus, was da gerade passiert. Bereits in der angesprochenen Veranstaltung waren sich alle einig: Damit „EchtDorsten“ überhaupt Aussicht auf Erfolg haben kann, muss massiv Geld in die Hand genommen werden für Marketing!

Was wir nun gerade erleben, schlägt daher dem Fass den Boden aus: Nicht nur, dass die Stadt, wenn sie zukünftig den Slogan „EchtDorsten“ nutzt, fortwährend unentgeltlich Werbung für die Plattform des private Unternehmen echtDorsten GmbH macht! Sie soll auch noch einen fünftstelligen Betrag dafür zahlen, dass sie für diese kostenlose Werbung den Slogan nutzen darf.

Eigentlich müsste daher doch die Stadt Dorsten für diese Marketingleistung eine Rechnung an die echtDorsten GmbH stellen.

Nochmal zusammengefasst was bisher geschah:

  • Die Wirtschaftsförderung fördert die Ansiedlung der netTrek GmbH & Co. KG in Dorsten
  • Der Sag Ja zu Dorsten e.V. hat kostenfrei die gesamte Kommunikation – Slogan, CI, Bildsprache, ersten Kommunikationsmittel – entworfen und kreiert.
    Dies wurde so auf Nachfrage nach der Art der Unterstützung durch den Verein an der genannten Veranstaltung mitgeteilt.
  • Am 22.09.2020 wird die echtDorsten GmbH gegründet. Vermutlich sind weder die Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH, der Sag Ja zu Dorsten e.V. noch die Stadt Dorsten (Mit-)Gesellschafter der neu gegründeten GmbH. Zumindest sind aus den Veröffentlichungen im Handelsregister nur drei Geschäftsführer ersichtlich, die identisch mit den drei Geschäftsführern der netTrek GmbH & Co. KG sind.
  • Die Stadt Dorsten soll nun einen fünftstelligen Betrag bezahlen, dafür, dass sie einen von Sag Ja zu Dorsten kostenfrei entworfenen Slogan nutzen darf!
  • Die Stadt übernimmt damit zudem kostenfrei das Marketing für die Plattform der privaten echtDorsten GmbH – den kostenintensivsten Teil einer Neugründung und Markteinführung.

Ich frage mich daher: Sieht so Wirtschaftsförderung zum Wohle der Region aus? Oder wird hier vielleicht doch gerade nur ein Unternehmen dabei gefördert, sich mit Steuergeldern so zu positionieren, dass die regionalen Einzelhändler sich von diesem privaten Unternehmen sogar noch abhängig machen? Was sagt der scheidende Wirtschaftsförderer dazu?

Denn damit nicht genug! Aus dem Kommentar von Stefan Diebäcker entnehme ich, dass die regionalen Einzelhändler auch noch 2500 € pro Jahr zahlen sollen, um an „unserer“ regionalen Plattform überhaupt teilzunehmen zu dürfen. Andere regionale Akteure sollen sogar 4-stellige Beträge pro Monat leisten!

Möchte das die Bürgerschaft? Will Dorsten solch einen Schildbürgerstreich?

Zu Recht scheint mir hier der aktuelle Slogan des Vereins Sag Ja zu Dorsten zu gelten: „Dorsten hat viele Gesichter“. Auch wenn diese sicher anders gemeint sein könnte.

Für mich sieht eine notwendige regionale Wirtschaftsförderung auf jeden Fall anders aus: Diese sollte die einzelnen Unternehmen der Region stärken und sie unterstützen zusammenzuarbeiten, um die Region insgesamt positiv zu beeinflussen und nicht nur ein einzelnes Unternehmen!

Mit einem freundlichen Gruß
Alfred Sartory

(Sie können auch den Leserbrief als pdf herunterladen)

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