Wie kann Artenvielfalt direkt vor der eigenen Haustür gefördert werden? Antworten auf diese Frage gab die Gesamtschule Wulfen bei der Umwelt- und Mobilitätsmesse in Dorsten. Erstmals gehörte dort ein Umweltforum zum Programm, in dem Schulen ihre Projekte zu Nachhaltigkeit und Biodiversität vorstellen konnten. Initiiert und organisiert wurde das Forum vom ehemaligen Schulleiter der Gesamtschule Wulfen, Hans Kratz.
Die Gesamtschule Wulfen war mit zwei eindrucksvollen Projekten vertreten. Neben dem seit vielen Jahren von Johanna Schmitz betreuten Schulgarten präsentierte auch der Biologie-Leistungskurs von Dr. Katlen Schwane seine wissenschaftliche Untersuchung zur Artenvielfalt auf öffentlichen Flächen. „Unsere Schule möchte junge Menschen dazu befähigen, Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen. Besonders wertvoll ist es, wenn Unterricht nicht im Klassenraum endet, sondern durch eigene Forschung und den Austausch mit der Öffentlichkeit konkrete Wirkung entfaltet“, betonte Schulleiter Hermann Twittenhoff. „Genau das ist unseren Schülern auf der Umweltmesse in beeindruckender Weise gelungen.“
Johanna Schmitz stellte den Besuchern die Permakultur des Schulgartens vor. Dort wird anschaulich gezeigt, wie sich Artenvielfalt durch Mischkulturen, unterschiedliche Pflanzenhöhen, naturnahe Pflege, lebendige Böden und vielfältige Rückzugsräume fördern lässt. Unter dem Leitsatz „Eigentum verpflichtet“ machte sie deutlich, dass jeder Garten Teil eines größeren ökologischen Zusammenhangs ist. Die Gestaltung privater Grundstücke habe unmittelbare Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen weit über die eigenen Grundstücksgrenzen hinaus.
Ergänzend präsentierte der Biologie-Leistungskurs seine Untersuchung unter dem Titel „Mehr Wildnis wagen – Artenvielfalt auf öffentlichen Flächen“. Rund um das Schulgelände hatten die Schüler verschiedene Flächentypen wie Kurzrasen, Wiesen, Hochwuchsflächen, Steinflächen und städtische Blühflächen mithilfe wissenschaftlicher Planquadrate untersucht. Dabei wurden Pflanzen- und Tiermorphotypen, Strukturmerkmale sowie Temperaturwerte erfasst.
Die Ergebnisse zeigten, dass strukturreiche Flächen den größten ökologischen Wert besitzen. Hochwuchsflächen boten besonders vielen Tierarten geeignete Lebensräume, während Blühflächen zwar eine große Pflanzenvielfalt aufwiesen, jedoch nicht automatisch auch die höchste Artenvielfalt bei Insekten erreichten. Auf den untersuchten städtischen Blühflächen fanden die Schüler mehrere nicht heimische Pflanzenarten aus handelsüblichen Saatmischungen. Daraus entwickelte sich eine intensive Auseinandersetzung mit der Bedeutung heimischer Pflanzenarten und ihrer Rolle für die heimische Insektenwelt.
„Besonders wichtig war uns, nicht nur Vermutungen aufzustellen, sondern belastbare Daten zu sammeln und daraus fachlich begründete Schlussfolgerungen zu ziehen“, erklärte Dr. Katlen Schwane. „Es war für den Kurs eine wertvolle Erfahrung zu erleben, dass wissenschaftlich fundierte Ergebnisse tatsächlich Diskussionen anstoßen und Veränderungen bewirken können.“
Tatsächlich blieb die Untersuchung nicht ohne Wirkung. Nach der Messe nahm ein Vertreter der Stadt Dorsten Kontakt mit dem Kurs auf und kündigte an, die verwendeten Blühmischungen für das kommende Jahr genauer prüfen zu wollen. Die von den Schülern bestimmten Pflanzenarten sollen dabei in die weitere Planung einbezogen werden. Für den Biologie-Leistungskurs war dies ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie demokratische Beteiligung funktionieren kann: Probleme benennen, wissenschaftlich untersuchen, Ergebnisse sachlich präsentieren und dadurch konkrete Veränderungen anstoßen.
Während der gesamten Umweltmesse standen die Schüler den zahlreichen Besuchern für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Besonders häufig lautete ihre zentrale Botschaft: „Mäht eure Wiesen seltener.“ Gleichzeitig konnten die Besucher selbst aktiv werden und sogenannte Seedbombs mit einer Saatmischung des Netzwerks Blühende Landschaften herstellen.
So verband der Auftritt der Gesamtschule Wulfen wissenschaftliche Forschung, praktische Umweltbildung und konkretes gesellschaftliches Engagement. Das Fazit des Projekts fiel eindeutig aus: Mehr Wildnis wagen bedeutet nicht, Flächen sich selbst zu überlassen. Vielmehr geht es darum, Gärten, Schulhöfe und öffentliche Grünflächen strukturreicher, vielfältiger und naturnäher zu gestalten: zum Nutzen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.







