In ausnahmslos strahlende Gesichter sowohl in der Manege als auch bei den rund 250 Gästen, die sich davor verteilten, konnte man jetzt bei einer Geburtstagsfeier der besonderen Art schauen. Die Einrichtung Dorsten der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort, einem diakonisch-gemeinnützigen Träger der Hilfen für junge Menschen und Familien, blickte auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Bei den Planungen war rasch deutlich geworden: Gewünscht ist kein steifer Festakt, sondern bei der Jubiläumsfeier sollen die betreuten jungen Menschen im Vordergrund stehen.
Und so wurde die Idee eines Zirkusprojekts geboren und mit dem Mitmach-Zirkus „Manegentraum“ aus Herford ein hervorragender Partner gewonnen, um dies umzusetzen. Vier Tage lange erprobten rund 40 Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Friedenshort-Gruppen mit dem Zirkusteam Akrobatik und Clownereien. Einige wagten sich sogar ans Feuerspucken. Bis dann der „große Tag“ da war und im Zirkuszelt im Bürgerpark Maria Lindenhof ein rund 2-stündiges Programm geboten wurde. Natürlich mit allem „Drum und Dran“, was das Zirkusflair mit Lichteffekten, Musik und ordentlich Dampf ausmacht. Zirkuschefin Ann-Katrin Bichlmaier führte charmant durchs Programm und war ebenso stolz wie die Kinder und Jugendlichen selbst, dass es gelungen war, sich für die eine oder andere Herausforderung zu überwinden und den Mut aufzubringen, sich vor Publikum zu präsentieren. Donnernder Applaus der Gäste war der Lohn, darunter viele Eltern, Mitarbeitende, ehemalige Betreute und auch Vertreterinnen und Vertreter des Jugendamtes.
Zuvor hatte Regionalleiter Ingolf Langenbach die Gäste begrüßt und vor allem Margret Stenkamp (Einrichtungsleitung Dorsten) sowie Hilla Schulte-Loh (Fachberatung/Koordination) gedankt, die mit vielen beteiligten Mitarbeitenden das Fest vorbereitet haben. Für die Stadt Dorsten grüßte Erste Beigeordnete Nina Laubenthal: „100 Jahre Friedenshort Dorsten, das sind 100 Jahre Verantwortung für Kinder, Jugendliche und Familien. Der Friedenshort hat sich in den 100 Jahren zu einer unverzichtbaren Einrichtung unserer Stadt entwickelt!“ Generationen von Mitarbeitenden und anfangs den Friedenshort-Diakonissen gelte der Dank für allen Einsatz, Menschlichkeit und die tägliche Arbeit. Laubenthal erinnerte an die bewegte Geschichte mit Zerstörung des ursprünglichen Gebäudes am Westwall im 2. Weltkrieg und den Wiederaufbau: „Zur Geschichte des Friedenshortes gehört daher Herausforderungen anzunehmen, Hoffnung zu bewahren und immer wieder neu anzufangen.“ Mit seiner sozial-diakonischen Arbeit vermittele der Friedenshort stets die Botschaft, dass jeder Mensch wertvoll sei. Ihr Dank gelte daher dem unermüdlichen Einsatz für die Menschen in Dorsten.
In ihrer mit einer kurzen Andacht verknüpften Begrüßung verband Leitende Theologin und Geschäftsführerin Pfrn. Ute Riegas-Chaikowski die Zirkuswelt mit der Lebenswelt und der Vorstellung eines gelingenden Miteinanders: „Im Zirkus wird gestaunt und gelacht, es ist egal, wo man herkommt oder welche Sprache man spricht. Die Augen sind beim Nächsten, im Zirkus schlägt man Brücken von einem zum anderen.“ Daher passe der Zirkus gut zu dem, was der Friedenshort verkörpere und worauf er vertraue: dass Gott immer wieder Menschen zusammenbringt, die einander vertrauen und die füreinander da sind. Riegas-Chaikowski erinnerte zusammen mit Kaufm. Leiter und Geschäftsführer Götz-Tilman Hadem an die Anfänge des Friedenshortes, als eine alleinstehende Dorstener Dame, Emma Fricke, dem Friedenshort ihr mehrstöckiges Haus für die Betreuung von Kindern anbot. Sieben Kinder zogen dort im Juni 1926 am Westwall ein, der Geburtsstunde des Friedenshortes in Dorsten. „Aus der Geburtsurkunde von Emma Fricke geht hervor, dass ihre Eltern unbekannt waren. Vielleicht hat sie deshalb den Wunsch gehabt, jungen Menschen einen Ort zu bieten, an dem sie sich zuhause fühlen können“, stellte Hadem als Überlegung vor.
Ihren Dank an das Leitungsteam und die Mitarbeitenden der Einrichtung Dorsten sowie an die Kinder und Jugendlichen drückte die Geschäftsführung nicht nur mit Worten aus, sondern man hatte einen „erfrischenden“ Gutschein im Gepäck. Ein Eiswagen wird geordert und steuert dann sämtliche Standorte des Friedenshortes in Dorsten und Reken an, um für eine kühle Leckerei im Sommer zu sorgen.
Info: Zur Einrichtung Dorsten der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort gehören in Dorsten sowie in Reken insgesamt fünf stationäre Wohngruppen, eine Tagesgruppe sowie 13 Plätze für das sozialpädagogisch betreute Wohnen. Darüber hinaus werden mehrere Familien über die Ambulanten Hilfen sowie über die Mobile Jugendhilfe begleitet. Die Leistungen werden durchweg im Auftrag des Jugendamts erbracht. 73 Mitarbeitende und drei FSJler sind in der Einrichtung Dorsten beschäftigt.










