Kommunaler Servicebetrieb Dorsten KSD und Firma Humbert warnen vor sorglosem Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus: Brandgefahr für Menschenleben und Sachwerte
Nach 45 Sekunden schlägt die Überwachungskamera Alarm: Da ist aus dem Zündfunken in der Box für Altpapier in einer Halle des Unternehmens Humbert-Recycling an der Wienbecke schon ein kräftiges Feuer geworden. Mitarbeiter versuchen noch, den Haufen mit einem Bagger auseinander zu ziehen. Doch Betriebsleiter Michael Lievertz sieht sofort: „Das werden wir nicht mehr selber in den Griff bekommen“ und ruft die Feuerwehr. Die ist sofort vor Ort und verhindert Schlimmeres. Die Übertragung aus der Halle ist da schon abgebrochen: Die Kamera in acht Metern Höhe ist geschmolzen . . .
Auslöser für diesen Brand am Dienstag vergangener Woche: Ein Energiespeicher, vermutlich ein Lithium-Ionen-Akku, den jemand achtlos ins Altpapier geworfen hat. Leider ein Massenphänomen mittlerweile. „Der Abfall hat sich verändert“, sagt Karsten Meyer, als Beigeordneter der Stadtverwaltung auch verantwortlich für den KSD und die Entsorgung in Dorsten: „Früher gab es Glas, Papier, Metall. Jetzt ist auch Energie ein Bestandteil, den wir in vielen Behältern finden. Diese Fehlwürfe sind eine konkrete Gefahr für Menschen, für unsere Anlagen und für Sachwerte.“
Die kleinen Akkus sind in vielen Dingen verbaut, auch da, wo man sie nicht vermutet. Zum Beispiel Grußkarten, die beim Aufklappen Musik spielen. Ein großes Problem sind die Einmalzigaretten „Vapes“, ein Wegwerfartikel mit hoher Brandlast.
Abfall ist hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt: Beim Verladen, beim Verpressen im Müllfahrzeug, beim Umladen für den Weitertransport in Wertstoffbetriebe. Werden sie beschädigt, kann der verheerende Funke überspringen. Durchschnittlich dreimal an jedem Tag brennt es irgendwo in Deutschland in einem Abfallentsorgungs-, Sortier- oder Recyclingbetrieb, erläutert KSD-Geschäftsführer Antonius von Hebel. Manchmal sind die Feuerschäden so groß, dass eine Anlage ein Jahr oder länger ausfällt. Das politische Bewusstsein dafür wachse nur langsam. Immerhin werden Einweg-Vapes europaweit verboten, die Rücknahmeverpflichtungen für alle Verkaufsstellen wurden ausgeweitet und über ein Pfand auf Batterien und Akkus wird nach einer Initiative der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen diskutiert, berichtet von Hebel.
Der Schlüssel, um Brände und Schäden zu vermeiden, bleibt der sorgsame Umgang mit Akkus und Einweggeräten. Sie sollten im eigenen Haus sorgfältig und nicht zu lange gelagert werden und dürfen nicht beschädigt werden. Für die Entsorgung gibt es viele Annahmestellen in Geschäften und am Wertstoffhof. Auch der Umweltbrummi, der fünfmal im Jahr durch Dorsten tourt, nimmt die brandgefährlichen Kleinteile an.
Karsten Meyer ergänzt: „Wir möchten wirklich dringend bitten, diese Akkus sorgfältig und richtig zu entsorgen, um Menschenleben und Sachwerte zu schützen. Die Gefahr in Sortieranlagen ist real und nicht zu unterschätzen. Wenn wir das Problem so nicht in den Griff bekommen, wird die ganze Branche darüber nachdenken müssen, die Entsorgungswege anders und sicherer zu organisieren. Die dann notwendigen Investitionen werden natürlich die Müllgebühren steigen lassen.“
Johannes Humbert, geschäftsführender Gesellschafter des über 100 Jahre alten Dorstener Familienbetriebs: „Der Brand am vergangenen Dienstag war der erste dieser Art in unserem Unternehmen. Das vorher noch nichts passiert ist, war Glück, und wir sind unserer Feuerwehr sehr dankbar, dass sie so schnell bei uns war und gelöscht hat. Bei den Mengen, die wir hier bewegen, haben wir keine Chance, kleine Akkus und Batterien zu finden. Damit haben wir in unseren sehr wirtschaftlichen Abläufen keine Möglichkeit, diese Brandgefahr auszuschließen. Aber wenn die Menschen sorgfältig mit dem Müll umgehen, können sie uns helfen, das Risiko zu senken.
Weitere Infos:
Lithium-Ionen-Akkus oder Lithium-Batterien können bei der Verarbeitung in der Abfallentsorgung beschädigt werden. Wenn der Inhalt mit Sauerstoff in Kontakt kommt, entzündet er sich in einer thermischen Kettenreaktion selbst und ist dann nicht mehr zu löschen, bis er vollständig ausgebrannt ist. Neben der Gefahr, dass daraus ein größerer Brand entsteht, werden auch giftige Gase freigesetzt.
Das Team des KSD bittet dringend darum, Akkus und Batterien sowie auch Elektrogeräte, in denen Akkus fest verbaut sind, niemals im Haus- oder Sperrmüll zu entsorgen, sondern ausschließlich in den dafür vorgesehenen Abgabemöglichkeiten:
- Der KSD nimmt die Energiespeicher entgegen am Wertstoffhof sowie an den Haltestellen des Schadstoffmobils, das im Jahr fünf Touren durchs Stadtgebiet macht. Der Fahrplan ist zu finden auf dorsten.de/schadstoffmobil.
- Geschäfte, die neue Batterien und Akkus verkaufen, müssen alte zurücknehmen und einer sachgerechten Entsorgung zuführen.
Die Firma Humbert wurde 1925 in Wulfen als Transportunternehmen gegründet und ist heute ein vielseitiger Logistiker und Entsorger mit rund 70 Mitarbeitern. Für den KSD organisiert der Betrieb täglich die Verladung und den Transport der zu entsorgenden Abfälle (Papier, Restmüll. Sperrmüll) zu den zugewiesenen Verwertern. Ein Humbert-Fahrzeug nimmt dabei das Sammelergebnis von vier KSD-Müllfahrzeugen auf.
Im September 2025 brannte ein Sperrmüllfahrzeug des KSD während der Sammeltour im Stadtsfeld. Die Mitarbeiter reagierten besonnen, steuerten den Lkw aus dem Wohngebiet und kippten die brennende Ladung auf eine Freifläche. Fahrzeug und Personen kamen ohne Schäden davon. Im Brandschutt fand der KSD 15 Akkus und Batterien unterschiedlicher Bauart.
Grundlegende Infos zum Umgang mit (auch anderen) Schad- und Gefahrstoffen gibt es im Internet auf der Seite www.dorsten.de/schadstoffe.
Das Bild zeigt (v.l.) Betriebsleiter Michael Lievertz und Geschäftsführer Johannes Humbert von Dienstleister Humbert GmbH, Ronny Langenbusch, Beigeordneter Karsten Meyer und Geschäftsführer Antonius von Hebel vom KSD vor der Lagerhalle, in der am Dienstag vergangenen Woche der Brand in einer Box für Altpapier ausbrach. Sie bitten dringend darum, Batterien und Kleingeräte mit Akkus ausschließlich auf den vorgesehenen Wegen zu entsorgen. Foto: Oliver Borgwardt / Heimatmedien





