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Gestörte Lieferketten bremsen Investoren

Dorsten Artikel-Bild

IHKs Nord Westfalen und Dortmund diskutieren mit Politik

„Nordrhein-Westfalen bleibt Industrieland, daran arbeiten wir“: Dies versprachen Paul Höller, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Dr. Bernd Schulte, Staatssekretär und Amtschef der Staatskanzlei, im Industrie-Club Friedrich Grillo in Gelsenkirchen. Dort trafen sich die Präsidien der IHK Nord Westfalen und der IHK zu Dortmund zu einer gemeinsamen Sitzung, um mit der Landespolitik ins Gespräch zu kommen. Lars Baumgürtel nahm Höller und Schulte beim Wort: „Unternehmen brauchen ein Angebot, damit sie wieder in Deutschland investieren können“, erklärte der Präsident der IHK Nord Westfalen. Deutlich wurde, dass dieses Angebot trotz guter Reformansätze bisher noch nicht ausreicht.

So brechen in der Industrie ganze Produktionen weg, weil Lieferketten durch geopolitische Spannungen gestört sind. Einige Präsidiumsmitglieder berichteten darüber aus ihrer unternehmerischen Praxis: Bestimmte Produkte können beispielsweise in der chemischen Industrie nicht mehr hergestellt werden, weil unverzichtbare Rohstoffe nicht mehr verfügbar sind. Fallen Zulieferer aus, sind die Folgen oft nicht unmittelbar absehbar. Auch dazu gibt es konkrete Beispiele, über die diskutiert wurde: Stellt ein Chemiewerk aus wirtschaftlichen Gründen seine Produktion ein, werden oft weitere Unternehmen von einer Wertschöpfungskette abgeschnitten. Vor solchen Szenarien und den damit verbundenen Dominoeffekten mit weiteren Produktionsausfällen warnten beide IHK-Hauptgeschäftsführer, Dr. Fritz Jaeckel aus Nord Westfalen und Stefan Schreiber aus Dortmund. Wer glaube, dass verlorene Industriearbeitsplätze einfach durch Stellen in anderen Branchen ausgeglichen würden, „der verkennt die reale Welt“, erklärte Jaeckel. „Die Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie schafft Wertschöpfung, Innovation und gut bezahlte Arbeitsplätze“, betonte Schreiber die Bedeutung der heimischen Industrie.

Wertschöpfungsketten, die zu reißen drohen oder bereits gerissen sind, stellen ein Investitionshindernis dar. Kombiniert mit der unsicheren geopolitischen Lage, Unsicherheiten in der Bundespolitik und damit verbundener fehlender Planbarkeit führt dies dazu, dass Unternehmen zum Beispiel darauf verzichten, neue Produktionsanlagen aufzubauen. Dies gelte gerade für Investitionen, die sich erst in der weiteren Zukunft rentieren sollen, hieß es in der Sitzung aus Sicht der Geldinstitute. Eigenkapital sei oft vorhanden, die Banken könnten zusätzlich Mittel bereitstellen, doch die Investitionszurückhaltung bleibe groß.

Sorgen hat nicht nur das produzierende Gewerbe. Zwar sah Roland Klein, Präsident der IHK zu Dortmund, den Großhandel „im Bereich der Erholung“. Doch auch hier „leiden Unternehmen unter Lieferkettenstörungen, hohen Energiekosten und einer sich verschlechternden Infrastruktur“, so Klein. Diskutiert wurde auch über die Situation im Einzelhandel, der vielerorts von einer starken Industrie profitiert: Brechen hier aber Betriebe und damit Kaufkraft weg, spüren das auch die Innenstädte.

Einig waren sich die Mitglieder der beiden Präsidien darin, dass es weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit braucht, damit sich die Unternehmen weiterhin in NRW engagieren. Staatssekretär Schulte beschrieb die Wege zu einem moderneren Staat: „Wir brauchen einen Mentalitätswandel hin zu einem Staat, der weniger regelt und Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen sowie Verwaltungen mehr vertraut.“ Als konkretes Beispiel dieses Kulturwandels nannte er die Umkehr der Beweislast: In Nordrhein-Westfalen müsse sich künftig nicht derjenige rechtfertigen, der Bürokratie abbauen will, sondern derjenige, der nichts verändern will. Einen Standortvorteil hob Staatssekretär Höller hervor: Demokratie und Stabilität locken Investoren in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten an: „Wir begrüßen in Düsseldorf so viele ausländische Delegationen wie noch nie. Wer in NRW investieren will, ist immer willkommen.“

Bild:

Wie wird NRW attraktiver für Investoren? Die IHK-Präsidien aus Nord Westfalen und Dortmund mit ihren Präsidenten Lars Baumgürtel (2.v.l.) und Roland Klein (2.v.r.) diskutierten darüber mit den Staatssekretären Dr. Bernd Schulte (l.) und Paul Höller (r.)

Foto: Hertel/IHK

 

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