Gesamtschule Wulfen erprobt Virtual Reality als Impuls für modernen Unterricht
Wie fühlt es sich an, mitten im menschlichen Körper zu stehen? Wie groß sind Atome wirklich? Und welchen Mehrwert kann Virtual Reality für das Lernen haben? An der Gesamtschule Wulfen gingen Schüler diesen Fragen mit Hilfe von VR-Brillen nach und beschritten damit ganz neue Wege. „Möglich wurde das durch eine Kooperation mit dem Medienzentrum Recklinghausen in Marl, das die Technik vorbereitete und zur Verfügung stellte“, so Dr. Katlen Schwane, die als NW-Lehrerin das Projekt begleitete.
Der Einsatz der VR-Brillen war dabei bewusst kein Selbstzweck. Vielmehr dienten sie als Impulsgeber, um Lerninhalte aus neuen Perspektiven erfahrbar zu machen. In unterschiedlichen Lerngruppen kamen vielfältige Anwendungen zum Einsatz: dreidimensionale Darstellungen chemischer Strukturen, anatomische Modelle des menschlichen Körpers, virtuelle Tauchgänge in die Tiefsee sowie Besuche im Anne-Frank-Museum oder in den ägyptischen Pyramiden. Gerade abstrakte Themen wurden durch die räumliche Darstellung greifbarer. Schüler aus der 9.7 brachten es auf den Punkt: „Zum ersten Mal haben wir das mit den Atomen überhaupt irgendwie verstanden.“
Besonders bemerkenswert war der reflektierte Umgang mit der neuen Technik. Vor allem ältere Schüler setzten sich kritisch mit den Möglichkeiten und Grenzen von Virtual Reality auseinander. Im Biologie-Leistungskurs lautete der Arbeitsauftrag ausdrücklich, die Technik zu prüfen und ihre Grenzen zu benennen. Unterstützt wurde dies durch gezielte Impulskarten, die nach den VR-Erfahrungen Diskussionen anregten.
Dabei zeigte sich deutlich: Digitales Lernen wurde nicht als Ersatz für gemeinsames Arbeiten verstanden. Viele betonten, wie wichtig ihnen der Austausch in der Lerngruppe und die begleitende Rolle der Lehrkräfte bleiben. Auch der organisatorische Aufwand wurde realistisch eingeschätzt. VR-Brillen eignen sich aus Sicht aller Beteiligten weniger für den Alltag, sondern eher für gezielte Einsätze bei ausgewählten Themen.
Schulleiter Hermann Twittenhoff zieht ein positives Fazit: „Virtual Reality eröffnet neue Zugänge zu komplexen Inhalten. Entscheidend ist aber nicht die Technik allein, sondern die pädagogische Einbettung und die anschließende gemeinsame Reflexion.“ Diese Einschätzung teilte auch Dr. Katlen Schwane. Einigkeit bestand darin, dass Virtual Reality kein Allheilmittel ist, aber Denkprozesse anstoßen und Gespräche ermöglichen kann, die im klassischen Unterricht so kaum entstehen würden. Die einhellige Schülermeinung lautete: „Die Brille ist cool. Aber das Wichtigste passiert danach, wenn man darüber redet.“





